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Im Gespräch mit Erich Falkensteiner, Falkensteiner Hotels & Residences - Teil 2

Online-Marketing 4 Minuten
Das schlimmste Verhalten als Unternehmer in einer Krisensituation: nichts tun. Dabei gilt genau jetzt: aktiv handeln und investieren.
Nachdem im ersten Teil des ausführlichen Interviews die Person Erich Falkensteiner und sein(e) Unternehmen im Fokus standen, ist es im im zweiten Teil aufgrund der aktuellen Situation die Thematik COVID-19. Der Unternehmer blickt im Gespräch mit Joachim Leiter von ADDITIVE auf die Herausforderungen des letzten Jahres zurück und spricht über den Umgang seitens der Falkensteiner Hotels und Residences mit der Pandemie. 
Zur aktuellen außergewöhnlichen Situation aufgrund der COVID-19-Pandemie: Worauf sollten Hotels in Krisenzeiten setzen? Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?

Leider machen viele Hoteliers folgendes: Kopf in den Sand stecken, Kosten einsparen und in Schockstarre verweilen. Wir versuchen genau das Gegenteil zu tun. So haben wir im herausfordernden Jahr 2020 erstmals in TV-Werbung in Österreich investiert. Zum einen kam man uns aufgrund der aktuellen Situation preislich entgegen, der Hauptgrund war für uns jedoch: wenn andere gerade die Werbung einstellen, erhält man mehr Sichtbarkeit und steigert die Markenbekanntheit.

In Österreich haben wir einen gestützten Bekanntheitsgrad von 89% und sind laut des Rankings der Zeitschrift Gewinn Aufsteiger des Jahres als wertvollste Marke - wir belegen aktuell Platz 26 und wir sprechen hier von allen Marken, nicht nur aus der Tourismusbranche. Dieses “gegen-den-Strom-Denken” führen wir ebenso im Investmentbereich fort: als die Pandemie losging, entschieden wir uns für den Umbau des Ehrenburgerhofs. Sobald die schlimmsten Pandemiewellen vorbei sind, stehen wir mit einem neuen Produkt in den Startlöchern. 
Und von diesem Projekt waren sofort alle überzeugt? Es handelt sich hier doch um ein hochpreisiges Produkt für den Gast...

Das ist nur möglich, indem du als Hotelier deinen Finanzpartnern ein Konzept vorlegst, hinter dem du als Unternehmer zu 100% stehst und in der Diskussion alle Unsicherheiten und Fragen vom Tisch fegen kannst.
Auf die Frage, warum wir für das Zimmer 600€ verlangen können, habe ich klare Antworten: Wir haben eine Marktanalyse der Mitbewerber durchgeführt, diese verlangen im Durchschnitt 620€. Im Family Resort Lido (Anmerkung: siehe Titelbild) werden wir im ersten Jahr mit etwa 540 Euro starten, wir bieten jedoch zusätzlich ein interaktives Hoteldach mit Skipiste, Eislaufplatz, Bobby Car-Strecke und und und, zudem eine außergewöhnliche Badewelt. Ich habe keine Zweifel, ob Gäste kommen oder nicht. Und der letzte Grund für die Investition: wenn in Südtirol der Tourismus nicht mehr funktioniert, dann funktioniert er sowieso nirgends mehr. Das Land liegt mitten in Europa, ist erdverbunden, naturgetrieben, kurz gesagt: das schönste Land der Welt, das zusätzlich Top Mitarbeiter bietet. Ich glaube fest daran, dass unser Konzept angenommen wird. 
In so einer Krisensituation, wie wir sie im Frühjahr 2020 erlebt haben, gilt es, die Mitarbeiter mitzunehmen, zu informieren und niemals in Unsicherheit zu lassen.
Apropos Mitarbeiter: wie handelten Sie diese wichtige Thematik während der COVID-19-Krise?

Wir haben über 2.000 Mitarbeiter, abgesehen von den Abfederungsmaßnahmen wie Kurzarbeit und Lohnausgleich muss man dies als Unternehmen erst mal überleben. Wir haben von Anfang an unsere Mitarbeiter kontinuierlich, transparent und vor allem proaktiv informiert - über alle möglichen Kanäle inklusive vieler, vieler Online-Meetings. In so einem Moment gilt es, die Mitarbeiter mitzunehmen, zu informieren und niemals in Unsicherheit zu lassen.
Wird sich der Tourismus Ihrer Einschätzung nach durch COVID-19 wirklich und nachhaltig verändern wie viele es prophezeien?

Gewisse Dinge werden sich mit Sicherheit ändern wie erstens das Pricing bei Flugdestinationen. Die Flugindustrie benötigt wohl weitere zwei Jahre Erholungsphase und wird sich neu aufstellen. Die Fluglinien werden sicherlich nicht den Fehler wiederholen, den sie vor 10 Jahren initiierten, nämlich eine Preisschlacht zu führen. Es wird wohl eine neue Preisliga geben, man wird künftig nicht mehr für 100€ nach Mallorca fliegen sondern für 400€.

Zweitens wird sich die Welt des Reisevertriebs ändern. Die großen Reiseveranstalter stehen bereits jetzt als Verlierer da und sind teilweise vom Markt verschwunden. Der Anteil an Buchungen über Reiseveranstalter hat sich von 10-15% auf mittlerweile 5% eingependelt, Direktbuchungen werden in Zukunft noch stärker dominieren. Dafür benötigt man als Hotel eine starke Marke und einen guten Vertrieb - dann bucht der Gast direkt im Haus.
Direktbuchungen werden in Zukunft noch stärker dominieren. Dafür benötigt man als Hotel eine starke Marke und einen guten Vertrieb - dann bucht der Gast direkt im Haus.
Spielt das Thema Nachhaltigkeit somit eine Rolle?

Meiner bescheidenen Ansicht nach wird der Tourismus nachhaltiger. Es wird weniger Flugreisen geben, die Digitalisierung wird weiter voranschreiten, die Vertriebswege werden sich ändern. Ich denke, die Gästeschicht der “Sommerfrischler” ist wieder auf dem Vormarsch, die nahe Destinationen bevorzugen. Eine dreitägige Shoppingreise nach Dubai ist mittlerweile eher negativ behaftet und bringt in der heutigen Gesellschaft sicher keine Anerkennung. Das ist zwar ein Nachhaltigkeitsthema, ist jedoch keine unmittelbare Auswirkung der Corona-Pandemie. Diese hat vieles beschleunigt, aber nicht grundlegend verändert.