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Die Zu­kunft des Rei­sens: Mo­bi­li­täts­kon­zep­te 2030

FachbeitragJuni 2018

Auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin werden jährlich Zukunft bestimmende Reisetrends präsentiert. Ein Trendthema heuer: die neue Reisemobilität mit pilotenlosen Passagierdrohnen, Überschall-Flugzeugen oder Elon Musk’s Hyperloop.
Die Messe stellte dazu eine internationale Marktstudie in Zusammenarbeit mit dem Reiseportal Travelzoo vor. Über 6.000 Reisende aus Europa, den USA und Kanada wurden zur Thematik “Die Revolution des Reisens: Verkehrsmittel der Zukunft” befragt. Die Erwartungen der Studienteilnehmer für 2030 sind eindeutig: Über die Hälfte erwartet das autonome Auto, jeder dritte rechnet mit elektrisch betriebenen Flugzeugen und Überschalljets, fast jeder vierte mit Lufttaxis. Im gleichen Moment ist jedoch jeder fünfte noch skeptisch, dass sich im Bereich Mobilität überhaupt etwas ändert.
Die Bereitschaft zur Nutzung der neuen Reiseformen ist deutlich vorhanden: so wählten knapp die Hälfte der Befragten den Hyperloop als präferiertes Reisemittel der Zukunft, 35 Prozent nannten fliegende Autos, 19 Prozent immerhin noch Drohnen. Interessant dabei: Speziell bei Passagierdrohnen ist der generationsbedingte Unterschied bei den Antworten groß. Während bei der Gruppe der 18-bis 34-Jährigen ein Viertel der Befragten sich Drohnen als Reisemittel vorstellen können, steht die Gruppe der über 65-Jährigen mit nur 13 Prozent diesen sehr skeptisch gegenüber.


Warum benötigt die Reisebranche Innovationen in der Reisemobilität? 

Das exponentiell gewachsenen Verkehrsaufkommen in Kombination mit der dadurch entstandenen Umweltproblematik macht die ursprüngliche Auffassung von Mobilität obsolet. Mobilität wird nämlich mit Begriffen wie Unabhängigkeit, Freiheit, Individualität und Selbstbestimmung verknüpft. Die erwähnten Entwicklungen bewirken jedoch, dass Mobilität heute ineffizient, kritisch und problematisch gesehen wird.
Exemplarisch werden hier die Entwicklungen im Bereich Flugreisen und Automobilverkehr aufgezeigt. Im Jahre 2006 zählte man weltweit knapp über zwei Milliarden Flugreisende. Diese verdoppelten sich bis heute (Stand 2018) auf vier Milliarden Passagiere und werden bis 2036 auf acht Milliarden ansteigen (Datenbestand laut International Air Transport Association IATA).
Die Situation im Straßenverkehr verdeutlicht ebenso den verstärkten Anstieg von Reisenden: heute zählt man rund 1 Milliarde Autos auf den Straßen weltweit. Die Tendenz bis 2050 ist weiter steigend, je nach Siedlungsgebiet jedoch mit unterschiedlicher Intensität. Festhalten lässt sich dieser Trend am Beispiel Beijing (Peking, China): laut Beijing Traffic Management Bureau wurden bereits 2009 täglich 1.466 Autos neu zugelassen. 

Neben der Infrastruktur- und Stauproblematik ist beiden Verkehrsformen die größte, die der Umweltproblematik, gemein. Die aktuelle ITB/Travelzoo Studie verdeutlicht diese Aussage. Bei der Frage zur Zukunft des Fliegens wird als wichtigstes Kriterium Öko-Treibstoff für die Fahrzeuge genannt. Ebenso bei den Vorteilen, die die Befragten in den neuen Reiseformen sehen: neben “schnelleres Reisen” und “geringerer Reisestress” werden “Umweltfreundlichkeit” und die “tendenziell geringere Abhängigkeit von Ressourcen” genannt. Die Dekarbonisierung der Verkehrsmittel ist mit Elektrofahrzeugen bereits eines der zentralen Themen der Zukunftsmobilität und wird es künftig noch mehr dominieren. Weiters spielt die Digitalisierung eine tragende Rolle, ohne der jegliche Zukunftstechnologien im Bereich Mobilität nicht denkbar wären. 


Zukunftstrends im Bereich Mobilität 

Die folgende Auflistung bietet einen Überblick über die wichtigsten Zukunftstechnologien beziehungsweise -projekte und deren Status quo im Bereich Mobilität:

  • Vollautomatisierte, fahrerlose Fahrzeuge: Fahrerassistenzsysteme gehören seit Jahren zur Standardausführung in der Automobilbranche, als Schlüsseltechnologie der Zukunft werden jedoch vollautomatisierte, fahrerlose Fahrzeuge gesehen. Der heutige Stand der Technologie erlaubt das autonome Fahren ohne Überwachung oder Eingreifen durch den Fahrer. Dies funktioniert jedoch bislang nur in Testumgebungen, beziehungsweise unter Idealbedingungen einwandfrei. Alltägliche komplexe Verkehrssituationen sind von den Fahrzeugen noch nicht zu bewältigen. Vor allem sind Fragen zur Ethik, zur Sicherheit und Versicherungsfragen noch ungeklärt. Zudem ist die Rechtslage noch nicht definiert: Während die USA Vorreiter bezüglich Zulassung und Gesetzgebung sind, ist die Gesetzgebung in Europa bisher unzureichend gelöst. 
  • Flugtaxis, Passagierdrohnen und fliegende Autos: Unter diesen Oberbegriffen werden verschiedene Arten von Fluggeräten gebündelt, die meist nach dem selben Flugkonzept funktionieren: senkrechter Start und Landung ähnlich wie bei Hubschraubern, der Flug selbst erfolgt mit oder ohne eigenem Piloten, der Antrieb ist rein elektrisch. Namhafte Firmen wie Volocopter (Daimler-Beteiligung), Elevate (Uber) oder Pop.Up Next (Volkswagen in Zusammenarbeit mit Airbus) haben bereits ihre Version von Lufttaxi-Prototypen vorgestellt. Die starke Präsenz von solchen Prototypen auf dem heurigen Automobilsalon in Genf ist nur ein Beleg dafür, dass die Passagierdrohne von vielen Herstellern als das Transportmittel der Zukunft gesehen wird. Den Zeitplan der Inbetriebnahme setzen die meisten Firmen zwischen 2020 und 2025 an. Wie schnell die Umsetzung tatsächlich erfolgt, wird bei dieser Technologie neben Sicherheitsfragen stark von den Regulierungen und Steuerung des Flugverkehrs in dicht besiedelten Gebieten liegen. 
  • Der Hyperloop ist ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem und basiert auf dem Konzept der Rohrpost. Mittels einer Magnetschwebebahn können Reisende in einer Röhre mit Unterdruck (Vakuumtunnel) mit bis zu 1.125 km/h befördert werden. Initiator des Hyperloop ist der Unternehmer Elon Musk (Gründer von Tesla, SpaceX). Laut Musk soll der Hyperloop nicht nur schneller und umweltfreundlicher, sondern zugleich günstiger als eine Bahnreise sein. Konkret wird derzeit an einer kommerziellen Hyperloop- Strecke in den Vereinigen Arabischen Emiraten gebaut: zwischen den beiden verkehrstechnisch kritischen Knotenpunkten Dubai und Abu Dhabi soll bis 2020 pünktlich zur Weltausstellung eine zehn Kilometer lange Strecke in Betrieb sein. In Europa wird derzeit an einer ersten Teststrecke in Toulouse gebaut, der erste in sich geschlossene Teil von 320 Metern wird laut Presseaussendung des Unternehmens noch 2018 in Betrieb genommen. Der Bau der insgesamt einen Kilometer langen Strecke wird 2019 abgeschlossen. 
  • Überschall-Züge wie das chinesische “Hyperflight”-Projekt sollen die Geschwindigkeit des Hyperloop noch überschreiten. Der von Chinas Raumfahrtkonzern entwickelte Zug beschleunigt in einer luftleeren Transportröhre bis auf 4.000 Stundenkilometer und könnte China mit Europa verbinden. Bei diesem Projekt handelt es sich vorerst um eine Idee. Die mit der extrem hohen Geschwindigkeit verbundenen technischen Schwierigkeiten sind in der Praxis noch zu groß. 
  • Überschall-Flugzeuge sind 13 Jahre nach dem Aus der Concorde wieder ein Thema im Flugverkehr: Zum einen hat die US-Raumfahrtbehörde NASA einen Überschalljet beim US-Rüstungskonzern Lockheed Martin in Auftrag gegeben, der ohne Überschallknall fliegen kann. Zum anderen entwickelt das US-Start-up-Unternehmen Boom Technology (mit finanzieller Unterstützung von Virgin-Millionär Richard Branson) ein neues Überschall-Verkehrsflugzeug mit Mach 2.2 Geschwindigkeit und geringerem Kraftstoffverbrauch als die Concorde. Der Jungfernflug eines “Baby Boom”-Jets (ein stark-verkleinerter Demonstrator) ist für Ende 2018 geplant. NASA wie auch Boom Technology rechnen mit regulärer Inbetriebnahme der Flugzeuge ab Mitte der 2020er Jahre. 


Akzeptanz der neuen Mobilitätstechnologien bei Reisenden 

Ob und wie schnell neue Mobilitätstechnologien tatsächlich zum Alltagsbild gehören, wird neben den bereits genannten Problematiken wie Sicherheit oder Verkehrsregulierungen zuallererst die Akzeptanz in der Bevölkerung sein. Rein technisch gesehen sind einige der beschriebenen Transportmöglichkeiten bereits möglich, teilweise auch im Einsatz. Ein fahrerloser Zug in London (der Docklands Light Railway, kurz DLR) schließt seit 1987 den Osten der Stadt (unter anderem den Flughafen London City) an das Zentrum an. Am Frankfurter Flughafen verbindet ein ebenso fahrerloser Shuttle-Zug die beiden Terminals. 

Die eingangs erwähnte Studie von ITB/Travelzoo zielte speziell auf dieses relevante Kriterium der Akzeptanz der neuen Reiseformen ab. Bei der Frage nach dem Vertrauen in fahrerlose Technologien gaben jedoch lediglich 25 Prozent positive Antworten. Rund ein Drittel sind sich diesbezüglich noch nicht sicher, der Großteil hat jedoch überhaupt kein Vertrauen darin. Auffallend ist, dass 80 Prozent der Befragten nicht bereit sind, mehr für die neuen Transportmodi zu bezahlen. Vor allem bei fahrerlosen Systemen ist diese Bereitschaft am geringsten. Am ehesten würden die vier Prozent der Befragten, welche bereit für höhere Kosten sind, für den Hyperloop oder für Überschall-Züge mehr Geld bezahlen. 

Die Herausforderungen zur Akzeptanz unter den Reisenden sind dieselben wie vor 200 Jahren bei der Einführung von Dieselmotoren, beziehungsweise nach der Erfindung des Automobils vor 125 Jahren. Sie bestehen darin, das Vertrauen der Nutzer in die neuen Transportmöglichkeiten zu stärken und Ängste zu überwinden. Das Reisen muss durch die neuen Technologien offensichtlich sicherer, günstiger, bequemer und umweltschonender werden. Voraussetzungen für die Revolution des Reisens sind nicht nur die Investitionen in die Technologien selbst sondern auch Investitionen in die Vermittlung der Botschaften. Ausschlaggebend für die Kommunikation der zukünftigen Reiseformen werden Vertrauen, Bekanntheit, Sicherheit und Kostenreduzierung sein.


Fazit 

Die Art der Fortbewegung und somit die Frage, wie Reisende “am besten” an das gewünschte Ziel kommen, wird die Reisemittel der Zukunft bestimmen. “Am besten” bedeutet nicht zwingend “am schnellsten”. Für Geschäftsreisende wird die Thematik Schnelligkeit zwar von Bedeutung sein, noch mehr jedoch wird das Reisemittel als Mobile-Office-Lösung genutzt werden. Speziell autonom fahrende Autos könnten verstärkt ihre soziale Funktion als Third Places erfüllen.
Für die kommenden Jahrzehnte lässt sich in der Freizeit und somit auch beim Reisen generell ein Trend zur Entschleunigung, zu einer Slow Culture, feststellen. Autonomes Fahren zum Beispiel würde die Stressfaktoren einer Autofahrt minimieren, der Reisende entspannt bereits während der Fahrt zum Reiseziel.

Einen ersten Aufschluss, wie rasch Umsetzung und Akzeptanz der erwähnten Technologien in der Gesellschaft erfolgte, wird die Weltausstellung 2020 in Dubai geben. Laut den Zeitplänen der verschiedenen Herstellerfirmen wird der Besucher mit dem Hyperloop vom Flughafen zum Ausstellungsgelände fahren, abends eine Elevate Flugtaxi zum Hotel nehmen und anschließend ein fahrerloses Tesla-Taxi zum Restaurant buchen.

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