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Sharing Economy im Tourismus am Beispiel Airbnb

FachbeitragJuni 2019 5 Minuten

Der folgende Beitrag bietet einen Überblick über Erfolge und Entwicklungen des Community-Marktplatzes Airbnb sowie über Problematiken und Lösungsmodelle, welche im Zusammenhang mit dem Portal aufgetreten sind.

Der Community-Marktplatz Airbnb, auf dem sowohl private als auch gewerbliche Vermieter Unterkünfte anbieten können, wurde 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründet. Laut eigenen Angaben konnte Airbnb bis 2018 mehr als 300 Millionen Gäste in 81.000 Städten und 191 verschiedenen Ländern vermitteln. Somit ist das Unternehmen ein erfolgreiches Beispiel für Sharing Economy. Unter diesen Sammelbegriff fallen Firmen, Plattformen und Praktiken, die eine geteilte Nutzung von verschiedenen Ressourcen ermöglichen. Der folgende Beitrag bietet einen Überblick über Erfolge und Entwicklungen von Airbnb sowie über Problematiken und Lösungsmodelle, welche im Zusammenhang mit dem Portal aufgetreten sind.
Der Erfolg von Airbnb 
Den großen Erfolg hat Airbnb verschiedenen Faktoren zu verdanken. Zum einen wurde das Unternehmen in der Zeit der Wirtschaftskrise gegründet, die 2007/2008 in den USA einsetzte. Die dadurch entstandenen finanziellen Probleme zwangen viele Personen stärker auf ihr Urlaubsbudget zu achten. Airbnb war eine willkommene Lösung, da es die Möglichkeit bot, Unterkünfte zu günstigeren Preisen zu mieten oder sich durch die Vermietung des eigenen Zuhauses Geld dazuzuverdienen. Das Unternehmen setzte außerdem von Anfang an vorwiegend auf Unterkünfte in Städten, was sich in der Zeit des boomenden Städtetourismus und der Billigflüge als wirksame Strategie herausstellte.
Ein weiterer Grund für den Erfolg der Plattform liegt an der Flexibilität bei der Vermietung. Ankunft oder Abreise sind an allen Wochentagen möglich und Unterkünfte können schon ab einer einzigen Nacht vermietet werden. Dazu kommen die Interaktion mit den Gastgebern und die besonderen Erfahrungen, welche wichtige Faktoren für viele Nutzer sind. Der direkte Kontakt zu den Einheimischen und die Unterkünfte, die sich abseits der üblichen touristischen Zonen befinden, machen die Reise zu einem authentischen Urlaubserlebnis. Airbnb ist es zudem gelungen, ein gut funktionierendes Bewertungssystem aufzubauen, das bei Gästen und Gastgebern gleichermaßen akzeptiert wird und ein gegenseitiges Vertrauen ermöglicht.
Entwicklungen bei Airbnb
Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen von einem Nischenanbieter zum umfangreichen Portal weiterentwickelt und ist dadurch zur Konkurrenz für klassische Online-Buchungsplattformen herangewachsen. Sowohl Touristen als auch Geschäftsreisende finden hier die passende Unterkunft für ihre Reisen. 
Die Anzahl an Hotels und Hotelketten, die auf dem Portal buchbar sind, steigt ständig. Das Unternehmen hat daher 2018 angekündigt, die Veröffentlichung von Inseraten solcher Anbieter künftig zu vereinfachen. Spezifisch für das Business-Travel-Segment und das Luxussegment wurde Airbnb Plus eingeführt. Dabei werden Hotelstandards zu einem günstigeren Preis sowie ein Kundenbindungsprogramm angeboten. Zu den Vorteilen für treue Kunden gehören unter anderem die Abholung vom Flughafen oder eine direkte Hotline zu Airbnb. Zudem wurde erst kürzlich Airbnb Adventures herausgebracht, ein Angebot, das mehrtägige Abenteuerreisen mit Transport und Verpflegung ermöglicht. Bei diesen Reisen werden Gruppen von bis zu 12 Personen von einheimischen Experten zu besonderen Orten und Sehenswürdigkeiten geführt.
Airbnb experimentiert des Weiteren mit Virtual und Augmented Reality. Es sollen neue Funktionen entwickelt werden, die Unterkünfte virtuell begehbar machen und den Gästen Hilfestellungen vor und während der Reise bieten. Beispielsweise sollen Vermieter digitale Notizzettel oder Anleitungen erstellen können, die zeigen, wie bestimmte Geräte im Haus funktionieren. An der ständigen Verbesserung des “Matching Algorithmus” wird ebenfalls gearbeitet. Ziel ist es, Nutzern noch schneller individualisierte Ergebnisse zu bieten, die genau zu ihren Bedürfnissen passen.
Die Markenerweiterung des Unternehmens beinhaltet zudem Produkte, die sich vom eigentlichen Kerngeschäft immer mehr entfernen. So wurde ein hauseigenes Designstudio namens Samara in der japanischen Kleinstadt Yoshino gegründet. Im Zuge des Projekts “Backyard” sollen Experten aus den Bereichen Design und Sharing Economy neue Konzepte für Airbnb-Häuser und -Wohnungen entwickeln. Noch 2019 will Airbnb damit in das Baugeschäft einsteigen. 
Problematiken und Lösungsmodelle
Die Länder, in denen Airbnb operiert, sind gesetzlich meist nicht auf dieses neue Wirtschaftsmodell vorbereitet. Beispiele dafür sind fehlende Regelungen bei Abgaben und Steuern oder die Wohnungsnot in Städten mit hohem Mietpreis und knappem Wohnungsangebot. Es erweist sich als schwierig, allgemeingültige Lösungen umzusetzen, da es große Unterschiede bei kommunalen Richtlinien, Gesetzen und Strukturen gibt. Aus diesen Gründen haben viele Städte bereits eigene Lösungsansätze vorgeschlagen oder umgesetzt.
  • In Berlin wurde ein Zweckentfremdungsverbot eingesetzt. Die Regelung soll dafür sorgen, dass der Wohnraum wieder vermehrt den Stadtbewohnern zur Verfügung steht, weshalb Nebenwohnungen nur noch für maximal 90 Tage im Jahr als Ferienwohnungen vermietet werden dürfen. Das Gesetz ist bereits 2014 in Kraft getreten und wurde 2018 nochmals verschärft. Die Gastgeber sind nun zusätzlich verpflichtet, eine Registrierungsnummer vorzuweisen, über die Vermietungen Buch zu führen und diese einmal pro Jahr zu melden. 
  • Österreichweit sind eine Meldepflicht für Buchungsplattformen sowie eine Registrierungspflicht für Vermieter geplant, um für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen. Airbnb und ähnliche Plattformen sollen verpflichtet werden, alle Buchungen sowie Umsätze an die Behörden zu melden.  
  • Die Stadt Wien möchte ebenfalls durch Gesetze für mehr Transparenz sorgen. Seit 2013 besteht hier die Pflicht zur Erhebung der Ortstaxe auch für private Vermieter. Die Betreiber von Portalen sollen daher zur Herausgabe von Vermieterdaten verpflichtet werden, um diese Tourismusabgabe korrekt einheben zu können. Wien verhandelte Ende 2018 mit Airbnb und forderte die Offenlegung der Daten von Vermietern, bisher ist das Unternehmen jedoch nicht auf die Forderung eingegangen. 
  • Trotz der komplizierten Sachlage bezüglich der Gesetze und Steuerregelungen zeigt Schweden, dass Airbnb ebenso als Chance genutzt werden kann. In Zusammenarbeit mit Visit Sweden, dem offiziellen Schweden-Portal, wurde das ganze Land via Airbnb zur Verfügung gestellt. Dabei ist es nicht nötig, eine offizielle Unterkunft zu buchen. Aufgrund des Jedermannsrechts (auf Schwedisch “Allemansrätt”) ist es gestattet, überall zu wandern, Rad zu fahren, andere Outdoor-Aktivitäten auszuüben oder zu zelten. Ausgenommen aus dieser Regelung sind Privatgärten, bestellte Äcker und Plätze, die sich in der Nähe von Wohnhäusern befinden. Somit kann jeder öffentliche Ort zu einer potenziellen Unterkunft werden. Dazu Jenny Kaiser, Country Manager bei Visit Sweden USA: „Schweden hat alles zu bieten, von hohen Bergen bis zu tiefen Wäldern, von pittoresken Schäreninseln bis hin zu ruhigen Wiesen voller wilder Blumen. Nun laden wir, zusammen mit Airbnb, Besucher aus aller Welt dazu ein, mit dem Jedermannsrecht unsere wundervolle Natur zu entdecken.“ Die Kooperation soll dazu dienen, Schweden als Destination zu fördern und außergewöhnliche Orte vorzustellen. 
Fazit
Airbnb hat es geschafft, das eigene Geschäftsmodell auf Bedürfnisse von Reisenden und Trends in der Reisebranche auszurichten und somit zu einer erfolgreichen Plattform zu werden. Für die Zukunft sind zahlreiche Entwicklungen geplant, die das Angebot des Unternehmens erweitern und zusätzliche Zielgruppen ansprechen sollen. Gleichzeitig sind aufgrund fehlender Gesetze neue Lösungen erforderlich, die die Nutzung von Airbnb-Unterkünften in den Städten regeln. Verschiedene Beispiele zeigen hier bereits, wie der Umgang mit diesem Sharing-Economy-Modell aussehen könnte und wie die Plattform auch als Chance im Bereich Tourismus genutzt werden kann.